Knarziger Wüstenblues, von einem Power-Trio der Extraklasse zu Preziosen geformt.
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„Heilig’s Blechle“, hätte vielleicht der Schwabe gesagt, aber den Schwaben fragt ja keiner, wenn es um echten Rock’n’Roll geht. „Bloody Hell!“, wäre womöglich des Engländers Kommentar gewesen – schon relevanter.
Autor: Stefan Krulle
Wir aber sind Nordlichter, und deshalb kommentieren wir mal lieber hanseatisch kühl: Wie, verfluchte Scheiße, konnte dieser Band zwei Jahre nach ihrem Riesenwurf „Ticket To Nowhere“ ein derart genialischer Nachklapp glücken? Die Vermutung, sein aus drei Nationalitäten gemixtes Trio sei Schuld am Unikat, lässt Matt Boroff, selbst aus New Jersey und der Liebe wegen zum Wahl-Österreicher geworden, nicht gelten. „Eine Band ist wie eine eheliche Gemeinschaft“, sagt der Sänger und Gitarrist, „wichtig dabei ist also lediglich die Chemie der Beteiligten.“ Und die stimmt in seinem Trio hörbar. Was Boroff, der Österreicher Little Konzett am Schlagzeug und der deutsche Bassist Rolf Kersting hier anzetteln, ist ein explosives Gebräu, dessen Herkunft man eher in Arizona oder Texas vermuten würde. Dort also, woher auch Tom Waits oder Tito & Tarantula ihre schönsten Inspirationen beziehen. Das allerdings regt Boroff erneut zum Widerspruch an: „Wenn an dir auf dem Highway ein irre schnelles Auto vorbeirast, dann glaubst du unwillkürlich immer, es sei ein roter Wagen gewesen. Aber bloß, weil wir hin und wieder den texanischen Mond anheulen, spielen wir noch lange keinen einfarbigen Wüstenrock.“ Das stimmt auffallend. Mit „Elevator Ride“ laden Matt Boroff & The Mirrors zum rasanten Auf und Ab durch staubige Americana-Sounds und patinierten Blues, krächzende Vaudeville-Absurditäten und schrullig verquaste Texte, in denen Boroff sich vehement der europäischen Tradition metaphorischer Selbstverliebtheit verschreibt. „Meine Songs sind nie rein autobiografisch, sie sind auch nie pure Kritik oder eindeutige Spielerei. Man kann sie deuten, wenn man denn will, und das Ergebnis lässt sich weder als richtig, noch als falsch festlegen.“ Doch so freidenkerisch und ,arty‘ sein Ansatz auch ist, die Songs von Matt Boroff klingen alle wie dem echten, leid- und freudvollen Leben entlehnt. Womit sie ungeheuer gut in diese Zeit passen, die gerade Artisten auf den Rockbühnen huldigt, denen Ruhm und Ehre wenig, das Erschaffen einzigartiger Klangwelten aber alles bedeutet.
Weiterhören: Captain Beefheart, Tom Waits, Tito & Tarantula
www.mattboroff.com
Knarziger Wüstenblues, von einem Power-Trio der Extraklasse zu Preziosen geformt.
Kategorie matt BOROFF |